Umgang mit psychisch belasteten Mitarbeitenden

Psychische Belastung am Arbeitsplatz

Wie geht man als Arbeitgeber mit psychisch belasteten Mitarbeitenden um? Dieser Frage widmete sich der diesjährige Arbeitgeberanlass des RAV Zürichs. Ein aktuelles und wichtiges Thema, wenn man bedenkt, dass psychische Störungen weit verbreitet sind und zu starken Einschränkungen der betroffenen Personen führen.

Psychische Belastungen schweizweit verbreitet

Jede fünfte Person in der Schweiz leidet zeitweise unter starken oder mittelschweren psychischen Belastungsstörungen, meint Gastreferent Dr. Niklas Baer, Leiter der Fachstelle für psychiatrische Rehabilitation der Psychiatrie Baselland. Mitarbeitende wie Führungskräfte seien gleichermassen betroffen. Am häufigsten diagnostiziert wird eine Depression, zurückgehend auf eine über längere Zeit anhaltende Belastung.

Als Ursachen für die Belastung die Dynamik in der heutigen Arbeitswelt oder eine rauheres Klima am Arbeitsplatz hinzuziehen, sei eine verbreitete aber zu einseitige Betrachtung, sagt Baer. Bei einer Analyse von Patientendossiers stellte sich heraus, dass 75% der Betroffenen bereits vor dem 15. Lebensjahr Anzeichen der Störung gezeigt haben.

Die Problemmuster treten also nicht plötzlich auf, sondern sind ein wiederkehrender Bestandteil der Biographie. Typischerweise sind die Belastungen am Arbeitsplatz auf Veränderungen und neue Situationen zurückzuführen, mit denen die Betroffenen nicht umgehen können. Sie fühlen sich schlecht, entwickeln Ängste vor negativen Reaktionen, beruflicher Zurückstufung oder Verlust des Arbeitsplatzes. In der Folge ziehen sie sich zurück oder lassen sich krank schreiben. Wer in dieser oder ähnlicher Weise mit Belastungen umgeht und in der Folge immer wieder und über längere Zeit fehlt, kann ohne Therapie nicht wieder in den Arbeitsalltag integriert werden.

Gastreferent Dr. Niklas Baer, Leiter der Fachstelle für psychiatrische Rehabilitation der Psychiatrie Baselland
Gastreferent Dr. Niklas Baer, Leiter der Fachstelle für psychiatrische Rehabilitation der Psychiatrie Baselland

Erhalt des Arbeitsplatzes steht an erster Stelle

Ein Grund mehr als Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass problematisches Verhalten am Arbeitsplatz von Arbeitgebern und insbesondere den direkten Vorgesetzten frühzeitig angesprochen wird. So können Mitarbeitende und Vorgesetzte zusammen nach Lösungen suchen, bevor es zu Ausfällen oder gar Entlassungen kommt. 

„Der Erhalt des Arbeitsplatzes sollte an erster Stelle stehen“, konstatiert Baer. Damit dies gelänge, sei es aber enorm wichtig, dass nicht nur Vorgesetzte und Teammitglieder sich der Situation anpassen, sondern vor allem dass die Betroffenen sich einsichtig zeigen und sich für eine Lösung anstrengen.

Leider höre man kaum je von einem behandelnden Psychiater, dass er die Klienten auffordere „sich mehr Mühe zu geben“, meint Baer. Dabei seien psychisch kranke Personen, die sich anstregen und das beste aus der Situation machen, für Arbeitgeber meist wenig problematisch. Viel schwieriger sei der Umgang mit psychisch Gesunden, also Menschen, die eigentlich (noch) keine psychische Störung gemäss einer offiziellen Klassifikation aufweisen, aber deren problematisches Verhalten zu Konflikten am Arbeitsplatz führen.

Wer sich uneinsichtig zeigt, die Verantwortung abschiebt, aus der Situation flüchtet und keinen Willen zur Veränderung zeigt, verliert das Wohlwollen der Vorgesetzten und der Teamkameraden, die in der Folge nicht mehr bereit sind, allfällige Mehrlasten zu tragen und sich für den Betroffenen einzusetzen. Es kommt zum Verlust des Arbeitsplatzes.

Beratungs- und Informationsangebote

Mitarbeitende und Vorgesetzte können sich in Fällen psychischer Probleme am Arbeitsplatz an verschiedenste Beratungsstellen wenden oder sich im Internet informieren. Hier ein paar nützliche Links: